Unser Einsatz zum Schutz der Filderlandschaft

Die Filder leben lassen

Im Aktionsbündnis "Die Filder leben lassen" haben sich Vereine, Verbände, Landwirte und Grundeigentümer zusammengeschlossen, die sich gegen eine unzumutbare Verschlechterung der Lebensbedingungen und den Ausverkauf der Filderlandschaft zur Wehr setzen.

 

Insbesondere die Pläne von Flughafenchef Fundel für eine zweite Start- und Landebahn stoßen auf den Fildern auf geballten Widerstand. Bei Aktionstagen und Infoständen, mit Unterschriftenlisten, dem Verkauf von Patenschaftsbriefen und dem erfolgreichen Aufruf zu 23.000 Einsprüchen im Planfeststellungsverfahren zeigt sich die breite Unterstützung der Bevölkerung für das Aktionsbündnis, dem auch unsere NABU-Gruppe angehört.

Foto: NABU L-E
Foto: NABU L-E

Am 13. April 2008 haben die Filderkommunen, die Schutzgemeinschaft Filder, die Bürger und die Naturschutzverbände mit einer Großdemonstration ihre entschiedene Ablehnung signalisiert. Wenige Wochen später, am 25.6.2008, kam das Aus für die zweite Startbahn - vorerst.

Es waren klare Versprechen der Landesregierung:
Kein weiterer Ausbau des Flughafens (so Ministerpräsident Späth).
Keine weitere Belastung der Filder nach dem Bau der Messe (so Ministerpräsident Teufel).

 Doch diesen Versprechen zum Trotz erfuhr und erfährt unserer Feldflur neue dramatische Flächenverluste:

  • Neubau der Messe und Erweiterung des Flughafens: Ca. 105 ha
  • Straßenanbindung der Messe: Ca. 10 ha
  • 8-streifiger Ausbau der A 8: 3 ha
  • Filderbahnhof und Gäubahn
  • Folgeaufsiedlungen in Gewerbe- und Wohngebieten

Die Gemarkung Leinfelden-Echterdingen ist bei der Realisierung von Großvorhaben im Landschaftsraum Filder am stärksten betroffen. Insgesamt sollen zwischen Denkendorf und Oberaichen zwischen 300 und 600 ha bester Böden zusätzlich überbaut werden.

 

Gemeinsam mit der Schutzgemeinschaft Filder wird sich der NABU weiter für den Erhalt einer lebenswerten Umwelt auf den Fildern einsetzen.

Stellungnahme zur "Filderstudie"

Bei der „Filderstudie“ handelt es sich um eine Auftragsarbeit der im kommunalen Arbeitskreis KAF zusammengeschlossenen Fildergemeinden und dem Verband Region Stuttgart (VRS), mit der von Stadtplanern das Potential immer neuer Gewerbeansiedlungen ausgelotet und als einzig gangbarer Weg gerechtfertigt werden soll. Was mit Flughafenausbau und Messe noch nicht gelang – nun soll´s die „Filderstudie“ vor dem Hintergrund einer neuen „Mobilitätsdrehscheibe“  am Flughafen richten: weiterer Ausverkauf und Betonierung der Filderlandschaft.

 

Zum Vergleich herangezogene „Airport-Cities“ wie am Münchner Flughafen im Erdinger Moos oder Düsseldorf mit seinen Konversionsflächen und deren Entwicklung sind mit der Situation im Filderraum mit seinen besten Böden nicht vergleichbar. Bunte Abbildungen mit teils manipulativen Darstellungen sollen darüber hinwegtäuschen, dass im großen Stil weitere Freiräume und landwirtschaftliche Flächen auf linienförmige „Grünzäsuren“ eingeengt oder völlig überbaut werden sollen. Auf eine solche Grünzäsur soll die neue Mitte Leinfelden-Echterdingen gleich noch oben drauf gelegt werden. Damit würde die bisher verfolgte Linie, den Charakter und die Identität der gewachsenen Stadtteile zu erhalten und sorgsam zu entwickeln, zu Gunsten einer „neuen Urbanität“ – sprich Sieldungsbrei – aufgegeben. 

 

Eine Untersuchung der Umweltverträglichkeit unterbleibt. Trotz Nachhaltigkeitsfloskeln finden sich keine Angaben darüber, wieviele Hektar bester Filderböden weiter versiegelt werden. Keine Angaben darüber, wieviele landwirtschaftliche Betriebe dabei ihre Existenz verlieren. Keine Angaben darüber, wie sich dies auf die Lebensqualität der hier wohnenden Bevölkerung auswirkt und keine Erhebungen oder Berücksichtigung, ob wir das überhaupt wollen. Längst sind Freiräume und Naherholungsgebiete zu weichen Standortfaktoren geworden.

 

Befremdlich und unüblich ist, dass vom Verband Region Stuttgart die Übersendung eines Aktenvermerks über ein im Vorfeld erfolgtes Gespräch mit Vertretern von Landwirtschaft und Naturschutzverbänden verweigert wurde, in dem sich diese kritisch und ablehnend äußerten. Währenddessen denkt Thomas Kiwitt als leitender Regionalplaner des VRS bereits über die Auflösung von Landschaftsschutzgebieten und Überbauung von Streuobstwiesen nach.

 

Einmal mehr zeigt sich darin, dass die vom VRS propagierten Landschaftsparks in erster Linie das Ziel haben, Großprojekten ein grünes Deckmäntelchen umzuhängen. Tatsächlich sind unsere Felder und Streuobstwiesen der für unsere Filderlandschaft prägende Landschaftspark. Durch Flächenverbrauch, mangelnde Pflege und Nachpflanzungen, Mistelbefall an Obstbäumen aber auch Entwicklungen zu Lagerplätzen und verhütteten Kleingärten zerfällt gerade die besonders artenreiche Kulturlandschaft der Streuobstwiesen immer mehr, ohne dass Baurechts- und Naturschutzbehörden dagegen wirksam einschreiten oder unter dem Stichwort Landschaftspark etwas Substantielles verbessert wird – stattdessen: nochmals neu beschilderte Rund- und Radwege, Erschließungen und Möblierungen auch sensibler Landschaftsbereiche als Kulisse ohne Eigenwert.

 

Wer Wohnungsnot und Verkehrschaos in einem völlig überhitzten Kessel lindern möchte, wird mit weiterem Überdruck durch immer mehr Gewerbeansiedlungen das Gegenteil erzielen. Das vorgegebene Schlagwort „Wohnen und Arbeiten zu verknüpfen“ gelang in einer mittelalterlichen Zunftstadt. Mit immer stärker befristeten Arbeitsverträgen, Ungewissheit und eingeforderter beruflicher Mobilität wird dies zur Illusion.  Die Problematik chronisch verstopfter Straßen wird elegant mit Hinweisen auf neue „Expressbus-Systeme“ und „neuartige innovative Mobilitätssysteme“ umschifft. Wer täglich mit ÖPNV oder Pkw in der Region pendelt, kann realistisch einschätzen, wie wirksam dies ist und was das in der Realität bedeutet. Brauchen wir wirklich weitere 20.000 Einpendler in unserer Stadt, bis sich kein Rad mehr dreht? Genug ist nie genug?

 

Ein Landrat aus der Region sieht über den Tellerrand hinaus, wenn er davon spricht, dass die Unwucht der Regionen in Deutschland immer größer wird und andernorts händeringend nach ansiedlungswilligen Betrieben gesucht wird. Zudem mit weit weniger Wohnraummangel, teils erschlossenen Gewerbegebieten und weit geringeren Konflikten.

 

Die überwiegend kritischen Reaktionen im Gemeinderat von Leinfelden-Echterdingen zeigen, dass die besonderen Befindlichkeiten in diesem Raum schlicht unbeachtet blieben. Laut OB Klenk soll mit der Filderstudie ein Stein ins Wasser geworfen werden, der Wellen schlägt. Dabei ist die die Filderlandschaft mit Flughafen, Messe, BAB, B 27-Ausbau, S 21, Synergiepark in Vaihingen, Daimler-Ansiedlung in Unteraichen und sonstigen Großprojekten schon viel zu voll von solchen Steinen. Landwirt Karl Kizele hofft daher zu Recht darauf, dass die „Filderstudie“ die Bürger endlich wachrüttelt. 

Stellungnahme zum Flächennutzungsplan

Aktuell soll in Leinfelden-Echterdingen ein neuer Flächennutzungsplan durchgesetzt werden, der über den Messeneubau hinaus einen zusätzlichen Flächenverbrauch von rund 80 ha vorsieht, obwohl derzeit in der Region Stuttgart bereits voll erschlossene und bebaubare Gewerbegebiete mit einer Gesamtfläche von 2000 ha brach liegen.

 

In Stellungnahmen an Stadtverwaltung und Gemeinderatsfraktionen sowie die an der Planung beteiligten Fachbehörden haben wir zusammen mit BUND und Schwäbischem Albverein deutlich gemacht, dass es zentrale Aufgabe der Flächennutzungs- und Landschaftsplanung ist, die unterschiedlichen Nutzungsansprüche umweltverträglich aufeinander abzustimmen, die natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten und die nachhaltige Entwicklung von Natur und Landschaft zu gewährleisten. Eine reine Bauflächenbevorratung ist rechtlich unzulässig.

 

In einem der dichtest besiedelten Ballungsräume Deutschlands prallen die Konflikte zwischen Naturschutz und Landschaftsverbrauch gerade bei uns mit besonderer Härte aufeinander. Während die wertvollen Filderböden großflächig unter Asphalt versinken, erhöhen sich die Gewerbebrachen bereits jetzt in Deutschland täglich um 10 ha und machen weitere Gewerbegebietsausweisungen mehr als fragwürdig. Auch die jahrelangen Auseinandersetzungen um die Messe und die neuen Diskussionen um Flughafenerweiterungen stehen dafür stellvertretend.

Unsere Position zum Landschaftsraum Filder

Klare Position bezieht der NABU auch beim Rahmenplan für den Landschaftsraum Filder. Zusammen mit anderen Naturschutzverbänden haben wie hierzu ein Positionspapier erarbeitet.  Vorrangig sind die Eindämmung von Flächenverbrauch und Verlärmung sowie die Erhaltung der Eigenart unserer Filderlandschaft mit ihren parkähnlichen Streuobstwiesen und typischen Feldbrütern wie Rebhuhn und Feldlerche. Die Filderlandschaft muss mit ihren besten Lößböden lebenswerter Gemüsegarten der Region bleiben. Beliebige Landschaftsmöblierungen und weitere Übererschließungen lehnen wir ab. Notwendig sind neue Wege wie ein Bildungsnetzwerk Filderlandschaft mit kombinierten umweltpädagogischen Lernbauern- und Landschaftspflegehöfen.

Schutz der Goldwiesen

Als größtes geschlossenes Wiesengebiet sind die Goldwiesen zwischen Leinfelden und Echterdingen ein wichtiges und zu Fuß erreichbares Naherholungsgebiet. Zusammen mit dem Verein "Bürger für Echterdingen-West" setzen wir uns für den Erhalt dieses hochwertigen Landschaftsschutzgebietes und regionalen Grünzuges ein.

Foto: NABU L-E
Foto: NABU L-E

Die zur Entlastung der Echterdinger Hauptstrasse als Südspange geplante Strasse würde dieses Gebiet in verlärmte und entwertete Teilflächen zerschneiden und bei der hoffnungslos verstopften A 8 bzw. B 27 wie ein Dammbruch zusätzlichen Verkehr mitten in unsere Stadt hereinziehen.

 

Was fehlt, ist ein Gesamtverkehrsplan, der Individualverkehr, öffentlichen Personen-Nahverkehr (LE-Stadtbus), Verkehrs- und Stadtentwicklung sinnvoll zusammenführt. Isolierte und voreilige Teillösungen wie die Südspange würden dieses unterlaufen und letztlich durch
verstärkte und neu induzierte Verkehrsströme aus dem Raum Waldenbuch/Tübingen zu einer
Mehrbelastung auch der übrigen Ortsteile führen.